Nein sagen ohne Schuldgefühle: Grenzen setzen im Job
Shownotes
Kennst du das unangenehme Gefühl, wenn ein eigentlich berechtigtes Nein trotzdem falsch erscheint? In dieser Folge spreche ich darüber, warum es vielen Frauen so schwerfällt, klare Grenzen zu setzen – und warum Schuldgefühle dabei oft eine größere Rolle spielen als das eigentliche Nein. Ich teile Forschungsergebnisse, persönliche Erfahrungen und praktische Ansätze, die helfen, Automatismen zu durchbrechen und bewusstere Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam hinterfragen wir alte Muster und entdecken, wie sich Verantwortung und Reaktion voneinander trennen lassen. Nimm dir die Zeit für eine ehrliche Pause zwischen Anfrage und Antwort – und finde heraus, welches Ja wirklich deins ist.
- Babcock, L., Recalde, M. P., Vesterlund, L. & Weingart, L. (2017). Gender Differences in Accepting and Receiving Requests for Tasks with Low Promotability. American Economic Review, 107(3), 714–747.
- Flynn, F. J. & Bohns, V. K. (2008). If You Need Help, Just Ask: Underestimating Compliance With Direct Requests for Help. Journal of Personality and Social Psychology, 95(1), 128–143.
- Tangney, J. P., Stuewig, J. & Mashek, D. J. (2007). Moral Emotions and Moral Behavior. Annual Review of Psychology, 58, 345–372.
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00:00:01: Herzlich willkommen bei Haltung statt Harmonie.
00:00:05: Der Podcast, der fragt was passiert eigentlich wenn Frauen sich anpassen obwohl sie es nicht müssten?
00:00:12: Hier geht es um Mechanismen die uns prägen und um die Frage was sich verändert wenn wir sie durchschauen.
00:00:19: ich bin Anne Scharmach.
00:00:20: schön dass du da bist.
00:00:24: Herzlich Willkommen hier im podcast.
00:00:28: Es geht heute um das Thema Grenzen setzen Und du kennst das vielleicht auch.
00:00:33: Es gibt einen Nein, dass sachlich vollkommen berechtigt ist und sich innerlich trotzdem falsch anfühlt.
00:00:42: Du weißt, dass du etwas nicht übernehmen kannst oder vielleicht auch nicht übernommen möchtest.
00:00:49: Trotzdem taucht sofort dieses unangenehme Gefühl auf!
00:00:53: Lass dich gerade jemanden hängen!
00:00:55: Bin ich unkollegial?
00:00:57: Egoistisch?!
00:00:58: Schwierig.
00:00:59: Vielleicht ist dann gar nicht das Nein, das eigentliche Problem?
00:01:02: Vielleicht ist das Schuldgefühl, da es schon auftaucht bevor du deine Grenze überhaupt ausgesprochen hast, das Problem.
00:01:09: Ich sage willkommen bei Haltung statt Harmonie!
00:01:16: Denn wie schon gesagt geht es heute um Grenzen, aber nicht um die üblichen Tipps.
00:01:20: Wie du möglichst sowohl hinein sagst!
00:01:22: Es geht um die Frage warum ein völlig berechtigtes Nein sich innerlich manchmal trotzdem falsch anfühlt und warum dieses Gefühl kein Beweis dafür ist dass deine Grenze falsch war.
00:01:35: Stell dir vor dein Tag ist schon ziemlich voll Du bist schon durch E-Mails gegangen Und plötzlich kommt eine E-mail zwischen Feierabend und eigentlich der nächsten Aufgabe, die dich fragt.
00:01:48: Könntest du das vielleicht übernehmen?
00:01:50: Aber auch nur wenn es dir passt!
00:01:53: Und du schaust in deinen Kalender... Der ist schon voll und sofort ist da dieser Widerstand.
00:01:58: Wenn du beginnst schon deine Antwort zu tippen Ja, tut mir leid aber ich habe so viel zu tun Ich kann das leider nicht übernehmen.
00:02:05: und dann löscht du aber diesen Satz und schreib's klar mache ich Nach dem Senden ist dann kurz Erleichterung, aber dann ärgerst du dich über dich selbst weil du eigentlich viel zu viel zu tun hast.
00:02:18: Und jetzt geht es darum nicht gleich zu bewerten sondern es geht darum diesen Mechanismus sich mehr anzuschauen warum man eigentlich so reagiert.
00:02:31: und was ich an solchen Situationen so interessant finde ist in dem Moment indem wir auf senden klicken und ja sagen obwohl wir nein meinen passiert oft etwas dass sich sogar zunächst ganz gut anfühlt, denn die E-Mail ist beantwortet.
00:02:46: Die kleine Spannung ist weg.
00:02:48: Die Aufgabe ist verteilt.
00:02:50: Niemand ist enttäuscht.
00:02:52: Die Harmonie ist wieder hergestellt.
00:02:55: Nur die Rechnung kommt später!
00:02:57: Vielleicht am Abend wenn du länger arbeitest?
00:03:00: Vielleicht am Wochenende wenn du merkst... Dass du schon wieder etwas trägst das eigentlich nicht mehr in deinen Tag gepasst hat oder in diesem stillen Ärger auf die anderen.
00:03:11: Warum sieht denn eigentlich niemand, dass ich längst genug mache das alles viel zu viel ist?
00:03:17: Und gleichzeitig gibt es da diese zweite unangenehme Wahrheit.
00:03:22: Manchmal hat nämlich niemand verlangt, dass wir das übernehmen.
00:03:26: Manch mal haben wir uns gemeldet bevor überhaupt sichtbar werden konnte wer sonst die Verantwortung tragen würde.
00:03:33: und das sage ich dir jetzt nicht als Vorwurf sondern ganz im Gegenteil denn mich interessiert, warum diese schnelle Ja so verlässlich funktioniert.
00:03:42: Warum es quasi manchmal leichter ist die eigene Grenze zu überschreiten als eine unbeantwortete E-Mail noch einweile im Postfach liegenzulassen oder die mögliche Enttäuschung hinter der späteren Antwort auszuhalten.
00:03:56: und genau da lohnt es sich jetzt genauer hinzuschauen Denn von außen wirkt den Lösung ziemlich einfach antworte einfach später, sagt nein, setzt eine klare Grenze.
00:04:07: Aber wenn es nur um die richtige Formulierung oder ein bisschen mehr Konsequenzen ginge hätten viele Klubebrauen dieses Problem längst gelöst.
00:04:16: denn diese Sätze kennen sie natürlich.
00:04:18: Sie wissen dass ein Nein erlaubt ist und Sie können anderen Menschen sogar hervorragend erklären warum Selbstfürsorge wichtig ist.
00:04:27: Und ja trotzdem sagen sie Ja.
00:04:31: Wir schauen mal ein bisschen in die Forschung.
00:04:33: Die Ökonomien Linda Barbock, Maria Rekalde und Lisa Westerlund haben gemeinsam mit der Organisationsforscherin Lori Weingart untersucht wie Aufgaben verteilt werden, die zwar erledigt werden müssen aber der eigenen Karriere kaum helfen.
00:04:49: Denkt zum Beispiel an einem Protokoll, die Organisation eines internen Termins oder die Mitarbeit im Ausschuss Wichtig für die Gruppe, aber später selten Ausschlag ergeben für eine Beförderung.
00:05:02: In mehreren Untersuchungen stellten Forschende Gruppen vor genau so einer Aufgabe.
00:05:08: Jemand musste sie übernehmen, aber für die einzelne Person war sie wenig attraktiv.
00:05:13: Dabei zeigte sich dass Frauen sich häufiger freiwillig meldeten als die Männer und wurde eine Person direkt gefragt richtete sich diese Bitte häufiger an eine Frau Und Frauen stimmten einer solchen direkten Bitte auch häufiger zu.
00:05:31: Die Forschenden prüften auch, warum Frauen öfter gefragt wurden?
00:05:35: Ein wichtiger Grund war die Erwartung dass eine Frau eher zusagen würde.
00:05:40: Nicht eine angeborene Hilfsbereitschaft sondern die Annahme der anderen beeinflusste also bereits bei wem die Anfrage landete und das verändert natürlich den Blick auf unsere E-Mail Szene.
00:05:51: Die Nachricht landete möglicherweise nicht zufällig immer wieder bei derselben Personen Denn wenn ein Team erwartet, dass eine bestimmte Kollegin zuverlässig ja sagt wird genau sie häufiger gefragt.
00:06:04: Und mit jeder Zusage kann sich diese Erwartung weiter festigen und die Studie erklärt allerdings nicht warum eine einzelne Frau eine bestimmten E-Mail beantwortet wie sie es tut.
00:06:15: Sie zeigt einen Muster in der Verteilung solcher Aufgaben Und ob bei dir in diesem Moment Gewohnheit, Verantwortungsgefühl Zeitdruck oder die Sorge vor einer enttäuschenden Reaktion wirkt kann die Studie nicht entscheiden.
00:06:30: Eine weitere Untersuchung der selben Forschungsgruppe hat geprüft, ob Frauen nach einer Ablehnung mit negativeren Reaktionen rechnen müssen als Männern.
00:06:41: Dafür fanden die Forschen keinen Unterschied zu Gunsten der Frauen.
00:06:44: Es ist wichtig weil es eine einfache Erklärung ausschließt.
00:06:48: Frauen sagen nicht nachweislich nur deshalb häufiger ja, weil ihr nein grundsätzlich härtere Folgen hätte.
00:06:56: Was bleibt ist aber diese Frage – was macht das Ja in dem Moment so viel leichter als das Nein?
00:07:04: Vielleicht ist es die Gewohnheit verlässlich zu sein, vielleicht möchtest du niemanden hängen lassen und vielleicht willst du die unangenehme Situation wie ja schnell auflösen!
00:07:15: Oder du fühlst dich zuständig noch, bevor überhaupt geklärt wurde, wessen Aufgabe es eigentlich ist.
00:07:23: Ja viele von uns kennen die Erfahrung dass Zugehörigkeit auch darüber entsteht wie angenehm und hilfreich wir für andere sind.
00:07:31: Und wenn Du hilfst bist Du gut und wertvoll!
00:07:35: Wenn Du Bedürfnisse bemerkst, bevor sie ausgesprochen werden Bist Du verlässlich?
00:07:41: Und wenn du keine Umstände machst bist Du unkompliziert.
00:07:47: Das sind zunächst keine schlechten Eigenschaften.
00:07:49: Natürlich nicht!
00:07:49: Verlässlichkeit ist etwas sehr wertvolles, Fürsorge ist etwas Wertvolles und Mitdenken ist etwas wertvolle.
00:07:56: Schwierig wird es natürlich dort wo aus einer Fähigkeit eine Pflicht wirkt.
00:08:00: Wo du nicht mehr frei entscheidest ob du helfen möchtest sondern innerlich kaum noch eine Alternative zum Helfen spürst.
00:08:08: Wo ein Nein nicht einfach eine Information über deine Kapazität ist sondern sich wie eine Aussage über dein Charakter anfühlt Dann bedeutet nein, nicht mehr.
00:08:19: nur ich kann das heute nicht übernehmen.
00:08:23: Dann klingt dein Nein innerlich nämlich plötzlich wie Ich bin keine gute Kollegin.
00:08:28: Ich bin eine gute Führungskraft Keine gute Partnerin keine gute Tochter keine gute Mutter kein guter Mensch Und gegen so eine innere Bedeutung kommt ein Kommunikationstipp allein nur schwer an.
00:08:42: Ich glaube an dieser Stelle passiert einer entscheidende Verwechslung Ihr verwechst ein Schuldgefühl mit Schuld.
00:08:50: Die Psychologin June Tankney unterscheidet in ihrer Forschung sehr genau zwischen Schuld und Scham, denn Schuld richtet sich typischerweise auf ein konkretes Verhalten – ich habe etwas getan das nicht zu meinen Werten passt!
00:09:07: Und Scham richtet sich stärker auf die ganze Person.
00:09:10: Nicht mein Verhalten war falsch sondern mit mir stimmt etwas nicht.
00:09:15: Das ist für unser Thema hilfreich Denn nach einem Nein können diese Ebenen schnell ineinander rutschen.
00:09:22: Aus der sachlichen Frage war meine Entscheidung fair, wird dann die viel grundsätzlichere Frage bin ich egoistisch oder schwierig?
00:09:31: Die Forschung sagt damit nicht dass jede Schuldgefühl nach einer Grenze unbegründet ist.
00:09:35: natürlich können Grenzen unfair verletzend oder zu spät kommuniziert sein.
00:09:41: sie gibt uns aber eine präzisere Frage bewert dich gerade mein konkretes Verhalten oder verurteile ich mich als ganze Person.
00:09:52: Schuld ist die Frage, habe ich gegen einen Wert verstoßen?
00:09:55: Hab ich jemanden unfair behandelt?
00:09:57: Habe ich eine Zusage gebrochen?
00:10:01: Hab ich Verantwortung abgegeben, die tatsächlich eigentlich meine war?
00:10:06: Ein Schuldgefühl ist zunächst nur ein Gefühl!
00:10:10: Es kann auf echte Schuld hinweisen aber es kann auch auftauchen weil du etwas tust das ungewohnt ist weil du eine alte Rolle verlässt, weil du zum ersten Mal nicht automatisch dafür sorgst dass es für alle anderen bequem bleibt.
00:10:27: Das ist ein wichtiger Unterschied!
00:10:29: Du kannst dich schuldig fühlen ohne schuldigt zu sein.
00:10:32: Ich sage den Satz noch einmal, weil er leicht zu verstehen und erstaunlich schwer zu glauben ist.
00:10:43: Ein Gefühl ist real aber es ist nicht automatische Ein Urteil.
00:10:50: Wenn du also jahrelang diejenige warst, die einspringt, vorausdenkt, auffängt und möglich macht dann wird ein Nein sich nicht sofort souveränen und befreiend anfühlen.
00:11:02: Wahrscheinlich fühlt er sich zuerst falsch an Vielleicht hart vielleicht egoistisch vielleicht sogar gefährlich.
00:11:09: Nicht weil es falsch ist sondern weil es neu ist.
00:11:12: Und an dieser Stelle hilft mir eine kleine Unterscheidung Die sehr schlicht klingt aber am Alltag viel verändern kann.
00:11:20: Es gibt meine Verantwortung und es gibt die Reaktion des anderen.
00:11:26: Meine Verantwortung ist, es meine Grenzen respektvoll um klar zu kommunizieren nicht absichtlich zu verletzten vereinbarungen ernst zu nehmen wenn möglich rechtzeitig Bescheid zu geben und ehrlich zu sein statt mich mit einer erfunden Ausrede aus der Situation zu ziehen.
00:11:44: Die Reaktionen des Anderen gehört nicht vollständig in meinen Verantwortungsbereich.
00:11:50: Die andere Person darf enttäuscht sein, sie darf meine Entscheidung unpraktisch finden und sie darf sich eine andere Antwort gewünscht haben.
00:12:00: Sie darf sogar kurz genervt sein?
00:12:02: Nur kurz!
00:12:04: Aber dass ein Nein soziale Kosten haben kann ist ebenfalls mehr als einen persönlichen Eindruck.
00:12:12: Francis Flynn und Vanessa Bohns haben in mehreren Experimenten untersucht wie Menschen auf die direkte Bitte reagieren.
00:12:21: Die Bittenden unterschätzen deutlich, wie häufig andere zustümten.
00:12:25: Und ein Grund dafür, wer am Etwas bittet sieht oft vor allem den Aufwand des Helfens – die Person, die gefragt wird, spürt zusätzlich die soziale Unbequemlichkeit eines Neins.
00:12:38: Mit anderen Worten, die fragende Person erkennt häufig nicht vollständig, wie schwer es dem Gegenüber fällt abzulegen.
00:12:47: Auch dieser Befund beweist nicht warum du in einer konkreten Situation ja sagst!
00:12:52: Aber er bedeht, dass die soziale Spannung eines Neines real sein kann und von der bittenen Person leicht unterschätzt wird.
00:13:00: Das ist unangenehm – aber unanganehm ist nicht das selbe wie falsch!
00:13:04: Und genau hier tragen viele Frauen mehr als tatsächlich zu ihm gehört.
00:13:09: Nicht nur die eigene Entscheidung sondern auch noch die komplette emotionale Verarbeitung dieser Entscheidung durch das Gegenüber.
00:13:18: Wir sagen nicht nur nein, wir versuchen gleichzeitig dafür zu sorgen dass sich das Nein für niemanden wie ein Nein anfühlt.
00:13:26: Und deshalb kommen oft die langen Erklärungen, eigentlich würde ich total gern und normalerweise mache ich das auch aber diese Woche ist es wirklich schwierig weil ich am Mittwoch schon diesen Termin habe und am Donnerstag und vielleicht kennst du diese Sätze?
00:13:41: Das Nein steht ganz kurz im Raum und wird dann sofort mit so viel Erklärung umwickelt bis es kaum noch zu erkennen ist Und diese Erklärungen haben häufig gar nicht den Zweck, Informationen zu geben.
00:13:54: Sie sollen uns entlasten!
00:13:56: Sie sollen beweisen ich bin wirklich kein schlechter Mensch.
00:13:59: Ich habe einen sehr guten Grund.
00:14:01: Bitte sei nicht enttäuscht von mir.
00:14:04: und manchmal laden genau dieser Erklärung zur Verhandlung ein.
00:14:09: Wenn der Mittwoch das Problem ist geht es ja vielleicht am Donnerstag und wenn du gerade viel zu tun hast kann man dir einen Teil abnehmen.
00:14:17: Wenn deine Begründung nicht schwer genug wiegt, wird weitergesucht und plötzlich verhandeln wir nichts mehr über die Anfrage – Wir verhandlen darüber ob unser Nein gültig sein darf!
00:14:29: Es gibt Situationen in denen ein Ja bewusst und sinnvoll ist.
00:14:32: Vielleicht ist die Aufgabe für dein Team gerade wirklich wichtig?
00:14:37: Vielleicht möchtest du eine Kollegin unterstützen?
00:14:39: Vielleicht entscheidest du dich aus guten Gründen dafür etwas zusätzlich zu tragen Und es gibt das Ja, dass schon in der Antwortmehl steht bevor du deine eigenen Kapazitäten überhaupt geprüft hast.
00:14:54: Denn Haltung bedeutet für mich nicht in jeder Situation maximal konfrontativ zu sein.
00:15:00: Haltung bedeutet für mich zu wissen was ich gerade tue.
00:15:03: Sag' ich ja weil ich mich bewusst dafür entscheide?
00:15:05: Weil's für mein Team oder für das Projekt oder eine Beziehung in diesem Moment richtig ist?
00:15:11: Oder sag' ich ya weil ich die Reaktion auf meinen Nein nicht aushalten möchte?
00:15:16: Von außen können beide Entscheidungen gleich aussehen, innen sind sie völlig verschieden.
00:15:22: Ein bewusstes Jahr ist eine Entscheidung – ein automatisches Jahr ist häufig ein Reflex!
00:15:28: Und genau darum geht es nicht immer nein zu sagen sondern das eigene Jahr wieder zur einer Entscheidung zu machen.
00:15:35: und der praktische Hebel dieser Folge ist deshalb nicht das perfekte Nein.
00:15:40: Es liegt noch einen Moment früher und diesen kleinen Moment kennen wir schon In der kleinen Pause vor dem Jahr.
00:15:46: Viele automatische Zusagen passieren so schnell, dass wir die eigenen Grenzen erst spüren wenn die Antwort schon verschickt ist.
00:15:53: Deshalb kann ein Zwischensatz helfen Kein Nein noch kein Ja nur ein bisschen Zeit Zum Beispiel.
00:16:03: Danke für deine Nachricht.
00:16:05: Ich prüfe das und melde mich später bei dir.
00:16:08: Oder ich möchte kurz um meinen Kalender schauen bevor ich zusage Oder, ich kann dir das gerade noch nicht beantworten.
00:16:18: Gib mir bitte bis heute Nachmittag Zeit!
00:16:20: Diese Sätze wirken unspektakulär und genau das ist ihre Stärke.
00:16:24: Du musst in diesem Moment noch keine große Grenze setzen.
00:16:28: Du unterbrichst nur den Reflex.
00:16:30: Du verschiebst die Entscheidung aus dem Druck sofort freundlich reagieren zu wollen – in einem Moment, in dem du dich selbst wieder hören kannst.
00:16:39: Und jetzt kommt das Wichtigste.
00:16:42: Du kannst dir diese drei Fragen stellen….
00:16:45: Erstens, ist das wirklich meine Verantwortung?
00:16:48: Zweitens habe ich dafür tatsächlich Kapazität.
00:16:52: Nicht theoretisch sondern in meinem wirklichen Leben.
00:16:55: und drittens würde auch ja sagen wenn ich wüsste dass die andere Person mein Nein nicht persönlich nimmt.
00:17:03: Und gerade die dritte Frage finde ich besonders aufschlussreich Denn sie trennt die Sache von der befürchteten Reaktion.
00:17:12: Vielleicht lautet deine Antwort danach trotzdem ja wunderbar dann ist es ein ganz klares Ja.
00:17:18: Aber vielleicht lautet sie auch Nein und dann darfst du dieses Nein aussprechen, ohne erst einen Gerichtsprozess gegen dich selbst zu führen!
00:17:26: Und für die Antwort brauchst du keine perfekte Formulierung.
00:17:31: Du kannst schreiben Danke dass du an mich gedacht hast.
00:17:34: ich kann das diesmal nicht übernehmen.
00:17:38: Wenn die Anfrage von einer Erführungskraft kommt und die Aufgabe grundsätzlich zu deinem Bereich gehört ist diese Situation eine andere.
00:17:45: Dann kannst du sichtbar machen was die neue Aufgabe für deine bisherige Arbeit bedeutet.
00:17:51: Du kannst sagen, ich kann das übernehmen aber dann verschiebt sich Aufgabe XY – Was soll ich priorisieren?
00:18:00: Das sind keine drei Varianten des selben Mainz.
00:18:03: es sind zwei unterschiedliche Situationen eine Bitte, die du ablehnen kannst und einer Aufgabe bei der die Priorität geklärt werden muss.
00:18:11: So!
00:18:12: Und jetzt kommt wahrscheinlich der ehrlichste Teil dieser Folge.
00:18:15: Du kannst das natürlich alles super verstehen.
00:18:18: Du kannst respektvoll nein sagen, du kannst sachlich vollkommen recht
00:18:22: sein.".
00:18:23: Ja und der Schuldgefühl kommt aber trotzdem!
00:18:27: Vielleicht sofort?
00:18:28: Vielleicht erst am Abend?
00:18:30: Vielleicht in Form von Grübeln?
00:18:32: Hätte ich doch helfen
00:18:32: sollen?!
00:18:33: Was denkt sie jetzt über mich?
00:18:35: War das wirklich nötig?
00:18:37: Und das Ziel ist da nicht, das Gefühl möglichst schnell wegzumachen.
00:18:42: Das wäre nur die nächste Optimierungsaufgabe.
00:18:46: Da ist es mein altes Alarmsystem meldet, dass ich gerade nicht für vollständige Harmonie gesorgt habe.
00:18:54: Und mehr musst du im ersten Moment gar nicht tun!
00:18:57: Du musst dein Nein nicht zurücknehmen nur weil dein Körper und deinen Kopf noch nicht daran gewöhnt sind.
00:19:02: Du darfst dich unwohl fühlen... ...und trotzdem bei deiner Entscheidung bleiben.
00:19:07: Auch das ist Haltung.
00:19:10: Nicht die Abwiesenheit von Zweifeln sondern die Fähigkeit nicht jeden Zweife sofort zum Chef deine Entscheidung zu machen.
00:19:16: Und vielleicht merkst du nach einer Weile Das Gefühl wird schwächer, auch wenn du nichts reparierst.
00:19:22: Die Beziehung hält das aus – die Aufgabe findet einen anderen Weg.
00:19:26: Die andere Person übernimmt Selbstverantwortung oder sie bleibt tatsächlich enttäuscht und ja… Auch das geht vorüber!
00:19:34: Und so entsteht eine ganz neue Erfahrung.
00:19:37: Nicht durch den Satz ich darf Grenzen setzen sondern durch das Erleben.
00:19:41: Ich habe eine Grenze gesetzt, jemand war vielleicht kurz irritiert und die Welt ist nicht runtergegangen.
00:19:46: Vielleicht geht es beim Grenzensetzen weniger darum, härter zu werden.
00:19:50: Vielleicht geht's darum Verantwortung genauer zu verteilen?
00:19:55: Meine Verantwortung für meine Entscheidung Deine Verantwortung für deine Reaktion Gemeinsame Verantwortung für das was wir wirklich miteinander verhandelt haben.
00:20:07: Das ist nicht kalt, das ist klar Und Klarheit kann Beziehungen sogar ehrlicher machen Denn ein Jahr hinter dem heimlich Erschöpfung und Ärgerwachsen ist nicht automatisch wie bevoller als ein rechtzeitiges Nein.
00:20:23: Manchmal ist das freundlichste Nein, dass das früh genug kommt bevor aus Hilfsbereitschaft Überforderung wird, bevor aus Verlässlichkeit stiller rollen wird, Bevor du von anderen erwartest eine Grenze zu erkennen die du selbst nie ausgesprochen hast.
00:20:39: und auch dieses mal möchte ich dir eine kleine Aufgabe geben keine große.
00:20:45: Du musst jetzt nicht sie in Grenzen setzen, du musst jetzt kein schwieriges Gespräch führen und du musst dich auch nicht neu erfinden.
00:20:50: Ich möchte, dass du beim nächsten Mal wenn so eine E-Mail kommt, du anstatt schnell zuzusagen ganz kurz innerhälst und schreibst Danke für deine Nachricht!
00:21:01: ich prüfe das und melde mich.
00:21:03: Mehr nicht?
00:21:04: Das reicht schon... Und dann fragst du dich diese drei Fragen Ist das wirklich meine Verantwortung?
00:21:12: Habe ich wirklich die Kapazität dafür?
00:21:14: Und würde ich auch ja sagen, wenn ich keine Angst vor der Reaktion auf ein Nein hätte.
00:21:21: Du musst nicht jedes Nein aussprechen aber du darfst jedes Jahr prüfen und die Frage mit der ich dich heute zurücklassen möchte ist diese welche Verantwortung trägst du gerade?
00:21:32: Nur deshalb weil du Angst hast vor der reaktion Auf dein nein vielleicht fällt dir ja sofort was ein.
00:21:38: Vielleicht braucht diese Antwort auch ein bisschen Zeit.
00:21:40: Ich freue mich wieder, wenn du mir das bei Spotify in die Kommentare schreibst oder auch gerne beim Instagram-Account und nimm dir ruhig die Zeit!
00:21:49: Das ist total in Ordnung.
00:21:50: Denn vielleicht beginnt eine Grenze nicht mit einem Nein?
00:21:54: Vielleicht beginnt sie mit der kurzen Pause, in der du prüfst ob dein Jahr wirklich Danz ist.
00:22:01: Danke dass du heute hier wieder zugehört hast Und ich freue mich natürlich, wenn ihr hier weiterhast.
00:22:08: Dazu ist es total hilfreich, wenn du auf allen möglichen Plattformen den Podcast abonnierst davon erzählst!
00:22:16: Denn dann hören wir uns nämlich auch in der nächsten Folge.
00:22:19: Bis dahin, macht's gut!
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